Neue Studie: „Dekarbonisierung des Luftfahrtsektors: Multiplikatoreffekte von Power-to-Liquid-Kraftstoffproduktion auf die deutsche Wirtschaft“
Power-to-Liquid (PtL) Kraftstoffe sind ein vielversprechender Weg zur Dekarbonisierung der Luftfahrt, unabhängig von Reichweitenbeschränkungen und neuen Flugzeugen. Sie erfordern jedoch neue Lieferketten mit zahlreichen Aktivitäten und Akteuren. Dies wirft die Frage auf, wie sich diese Lieferketten auf bestehende Industrien und makroökonomische Indikatoren wie die Beschäftigung und das nationale Produktionsniveau auswirken.
Diese Studie integriert eine Lieferkettenanalyse mit Multiplikatormodellen verschiedener Endogenitäten, um die PtL-Kraftstoffproduktion in Deutschland zu untersuchen. Eine szenario-basierte Sensitivitätsanalyse beleuchtet den Einfluss kritischer Komponentenkosten und verschiedener Lieferketten.
Die wichtigsten Ergebnisse sind:
- Hohes ökonomisches Potential
Die PtL-Kraftstoffinfrastruktur ist eng in die industriellen Wertschöpfungsketten in Deutschland integriert, mit starken Abhängigkeiten von Schlüsselindustrien. Der hohe Anteil an inländischen vorgelagerten Aktivitäten führt zu erheblichen Potentialen. - Relevanz des Multiplikator-Frameworks
Während Input-Output-Modelle interindustrielle Verflechtungen erfassen, beziehen Ansätze der Sozialrechnungsmatrix zusätzliche einkommensinduzierte Rückkopplungen ein. Erhöhte Endogenität offenbart den breiteren Fußabdruck der PtL-Kraftstoffinfrastruktur. - Ökologische Trade-offs
Die PtL-Lieferkette ist mit erheblichen Ressourcen verbunden. Emissionen und Wasserverbrauch sind bei Offshore-Windkraft und bei chemischen Produkten zu beachten. Die Verwendung von Biomasse als Kohlenstoff- oder Stromquelle erhöht den Wasserverbrauch erheblich. - Empfindlichkeit gegenüber techno-ökonomischen Annahmen
Während relative Multiplikatoren robust gegenüber Kostenannahmen für einzelne Komponenten sind, reagieren sie empfindlicher auf die Lieferkette, insbesondere die Wahl der Stromquelle. Gesamteffekte werden auch von Kostenannahmen der Komponenten bestimmt.
Aus diesen Ergebnissen werden einige politische Implikationen abgeleitet:
- Stärkung heimischer Lieferketten
Lokale Produktion sollte gefördert, Schlüsselindustrien gesichert und die Wettbewerbsfähigkeit in vorgelagerten Sektoren unterstützt werden, insbesondere bei neuartigen Technologien ohne etablierte Produktionscluster, wie z. B. Elektrolyse und DAC. - Dekarbonisierung vorgelagerter Aktivitäten
Eine ganzheitliche Dekarbonisierung ist entscheidend. Die Herstellung von PtL-Kraftstoffen hängt von mehreren Industrien ab, und eine reine Konzentration auf Luftfahrt unter Vernachlässigung anderer Industrien würde zu einer sektoralen Verlagerung der Emissionen führen. - Verfolgung von RFNBOs für Sub-Quoten
Während biogene Quellen in der Anfangsphase als Übergangsoption dienen können, führen sie langfristig zu Ressourcenkonflikten. Daher sollte die EU die Sub-Quoten für synthetische Kraftstoffe beibehalten, die mit den Regeln für RFNBOs übereinstimmen. - Schaffung langfristiger Marktanreize
Beimischungsquoten sind ein Anfang, aber weitere Maßnahmen sind nötig, um Investitionssicherheit zu schaffen und die Einführung von PtL-Kraftstoffen zu beschleunigen. Steuerliche Anreize, Auktionssysteme und eine Kerosinsteuer könnten die Markteinführung unterstützen.
Open Access Artikel: https://doi.org/10.1016/j.seta.2025.104478

